Radar in der Automobilindustrie ist eine messtechnische Herausforderung

Fachwissen_AutomobilradarAutomotive-Radar ist nicht einfach nur ein weiteres elektronisches Teilsystem, das validiert werden muss; seine Leistung hängt von der Signalqualität, dem Timing, der Ausrichtung, der Umgebungskontrolle und stabilen Testbedingungen ab. Selbst geringfügige Abweichungen bei der Einrichtung, der Kammerintegrität, der Positionierung des Prüflings oder der HF-Isolierung können die Genauigkeit der Ergebnisse direkt beeinträchtigen.

Diese Komplexität gewinnt in der Produktion noch mehr an Bedeutung, wo Testsysteme bei Tausenden von Einheiten ein gleichbleibend hohes Maß an Zuverlässigkeit gewährleisten müssen. Hersteller wollen nicht nur sicherstellen, dass sich ein Radarmodul einschalten lässt oder korrekt kommuniziert. Sie müssen auch die Leistung in Bezug auf Reichweite, Geschwindigkeit und Winkel überprüfen, eine stabile Kalibrierung gewährleisten und anspruchsvolle Taktzeiten einhalten, ohne dabei die Zuverlässigkeit zu beeinträchtigen.

Aus diesem Grund muss die Prüfung von Fahrzeugradarsystemen als eine kombinierte Herausforderung in den Bereichen HF-Technik, Automatisierung und Datenverarbeitung betrachtet werden. Die Testumgebung, die Handhabungsstrategie und die Softwarearchitektur wirken sich unmittelbar auf die Ergebnisse aus. Diese Elemente sollten gemeinsam konzipiert werden.

Wie Averna die Prüfung von Fahrzeugradaren angeht

Averna betrachtet die Prüfung von Kfz-Radarsystemen als ein umfassendes Produktions- und Validierungssystem.

  1. Anforderungen & Testabdeckung

    Jedes Radarprogramm beginnt mit einer klaren Definition dessen, was gemessen werden muss, welcher Präzisionsgrad erforderlich ist und wie sich die Testabdeckung in die übergeordnete Fertigungsstrategie einfügt. Dazu gehört die Abstimmung des Testumfangs auf Produktanforderungen wie Entfernungsauflösung, dopplerbasierte Geschwindigkeitsmessung, Winkelgenauigkeit, HF-Integrität, Kommunikation, Leistungsprüfungen und Kalibrierungsanforderungen.

  2. HF- und Kammerkonstruktion

    Da die Radarleistung stark von der Testumgebung abhängt, sind die HF-Technik und die Kammerkonstruktion zentrale Bestandteile der Lösung. Averna entwickelt Systeme, die schalltote Kammern und kontrollierte HF-Bedingungen umfassen, um die Messgenauigkeit zu gewährleisten und die Auswirkungen von Leckagen, Reflexionen, externen Störungen und unerwünschten Echos zu minimieren, die die Radarsignalverarbeitung und die Wiederholgenauigkeit beeinträchtigen können.

  3. Automatisierung & Fördertechnik

    Eine schnelle und reproduzierbare Handhabung ist in der Automobilradarproduktion von entscheidender Bedeutung. Um die Abhängigkeit vom Bediener zu verringern und die Konsistenz zu verbessern, integriert Averna automatisierte Testlösungen, die eine präzise Positionierung des Prüflings und einen effizienten Stationsdurchlauf ermöglichen. Dazu können die Integration von Robotik, spezielle Halterungen sowie automatisierte Handhabungsmechanismen gehören, die auf das Produkt und die angestrebte Taktzeit zugeschnitten sind.

  4. Daten, Validierung und Skalierbarkeit

    Averna entwickelt Softwarearchitekturen, die die Echtzeit-Datenerfassung, Testabläufe, die Protokollierung von Ergebnissen und die langfristige Rückverfolgbarkeit unterstützen und Herstellern so einen besseren Einblick in das Produktverhalten und die Leistungsfähigkeit der Prüfstationen ermöglichen.

Unsere Teams verfügen über fundierte Fachkenntnisse in den Bereichen LabVIEW, PXI-basierte Architekturen und die Entwicklung kundenspezifischer Testsoftware, wodurch wir die Lösung sowohl an die Komplexität hochfrequenter Tests als auch an die Anforderungen der Fabrikintegration anpassen können. Darüber hinaus unterstützen wir Strategien zur Datenerfassung und Rückverfolgbarkeit mithilfe von Proligent™ und helfen unseren Kunden so, Radartestergebnisse mit umfassenderen Erkenntnissen zu Qualität und Fertigung zu verknüpfen.

Beschleunigung der Validierung von Fahrzeugradarsystemen

Averna unterstützt Sie dabei, Kfz-Radarsysteme mit größerer Zuversicht zu validieren – von kontrollierten Messbedingungen bis hin zu serienreifen Testsystemen.

Besprechen Sie Ihre Testanforderungen

Technische Möglichkeiten für die Prüfung von Kfz-Radarsystemen

Bei der Prüfung von Fahrzeugradarsystemen kommt es auf eine Kombination aus HF-Präzision, kontrollierter Zielsimulation und stabiler Winkelabdeckung an. In der Praxis müssen diese Funktionen in einer einzigen Testumgebung zusammenwirken, um sowohl die Funktionsvalidierung als auch die Produktionsanforderungen zu erfüllen.

Die folgende Tabelle enthält ein Beispiel für die technischen Fähigkeiten, die Averna im Bereich der Radartestsysteme für die Automobilindustrie bietet. Sie zeigt ein integriertes Test- und Messsystem (ATE), das für die Over-the-Air-Validierung, Szenarien mit mehreren Objekten und wiederholbare HF-Messungen über das gesamte Sichtfeld (FOV) des Sensors hinweg ausgelegt ist.

Beispiele für die Leistungsfähigkeit der von Averna gelieferten Radartestsysteme

Frequenzbereich
24 GHz (veraltet) und 75–82 GHz, mit einer momentanen Bandbreite von bis zu 4 GHz 
Anzahl der Objekte (einzelner AoA)
Ein bis vier emulierte Ziele 
Anzahl der Objekte (mehrere Blickwinkel)
Bis zu vier unabhängige Ziele in unterschiedlichen Winkeln 
Bereich der emulierten Objekte

3 m bis 300 m 

Entfernungsauflösung
5 cm 
Doppler-Reichweite / Auflösung
±500 km/h (75 kHz) / 0,1 km/h (7,5 Hz) 
HF-Messungen
EIRP, belegte Bandbreite, Chirp-Analyse, Linearität
Winkelabdeckung – Azimut
±100° mit einer Genauigkeit von ±0,05° 
Winkelabdeckung – Höhe
±20° mit einer Genauigkeit von ±0,8° 

Diese Funktionen ermöglichen eine kontrollierte Validierung des Radarverhaltens in Bezug auf Entfernung, Geschwindigkeit und Winkel und gewährleisten gleichzeitig die für Tests auf Serienniveau erforderliche Wiederholbarkeit und Stabilität. In den folgenden Abschnitten wird beschrieben, wie diese Funktionen bei der FMCW-Analyse, bei OTA-Tests, bei der Antennencharakterisierung und bei der Serienvalidierung zum Einsatz kommen.

FMCW- und Doppler-basierte Messung

Die meisten Radarsysteme im Automobilbereich basieren auf dem FMCW-Prinzip (Frequency-Modulated Continuous Wave), um aus den reflektierten Signalen Entfernungs- und Geschwindigkeitsdaten zu ermitteln. In der Praxis muss das Testsystem überprüfen, wie genau der Sensor Entfernung und Bewegung schätzt – und nicht nur, ob er ein Ziel erkennt.

Die Doppler-Verarbeitung spielt bei der Geschwindigkeitsschätzung eine zentrale Rolle, und ihre Qualität bestimmt, wie zuverlässig das Radar sich bewegende Objekte interpretiert, insbesondere wenn Ziele hinsichtlich Geschwindigkeit oder Position nahe beieinander liegen. Ein robuster Testansatz muss daher die Leistung unter kontrollierten Bedingungen mit ausreichender Präzision bewerten, um Abweichungen, Instabilitäten oder eine begrenzte Auflösung aufzudecken.

OTA-Tests und Zielsimulation

Feldtests sind oft erforderlich, da sich Kfz-Radarsysteme nicht allein durch elektrische Prüfungen genau beurteilen lassen. Der Sensor muss unter Bedingungen getestet werden, die die Art und Weise widerspiegeln, wie er im Betrieb HF-Energie aussendet, empfängt und verarbeitet.

Radarzielsimulatoren werden eingesetzt, um kontrollierte Szenarien nachzubilden, ohne auf physische Ziele zurückgreifen zu müssen. Dies ermöglicht es, die Sensorleistung mit höherer Wiederholgenauigkeit, einer strengeren Kontrolle der Bedingungen und einer geringeren Abhängigkeit von manuellen Einstellungen zu testen. In Produktionsumgebungen trägt dieser Ansatz zudem dazu bei, Abweichungen zwischen den einzelnen Stationen zu verringern. Gegebenenfalls kann er auch bei der Prüfung von Radarstörungen helfen, indem er Teams dabei unterstützt, das Sensorverhalten bei konkurrierenden HF-Signalen oder komplexeren Betriebsszenarien zu bewerten.

Antennencharakterisierung und MIMO-Architekturen

Das Antennenverhalten ist ein entscheidender Faktor für die Radarleistung. Die Testabdeckung kann die Charakterisierung der Antenne umfassen, um die Strahlungsmuster, die Konsistenz zwischen den einzelnen Geräten und die Signalqualität unter definierten Bedingungen zu bewerten. Je nach Radarkonstruktion kann dies auch die Bewertung von Parametern wie EIRP, belegte Bandbreite und Störaussendungen in kontrollierten HF-Umgebungen beinhalten.

Diese Anforderungen werden bei MIMO-Architekturen (Multiple-Input, Multiple-Output) noch anspruchsvoller. Die Kanalkonsistenz und die Phasenausrichtung sind von entscheidender Bedeutung, da sie die Strahlformung und die Zielerkennung direkt beeinflussen. In solchen Fällen muss das Testsystem mehr leisten als nur Daten zu erfassen; es muss die für einen aussagekräftigen HF-Vergleich erforderlichen Bedingungen aufrechterhalten.

Unterstützung bei der Produktionsvalidierung und der Einhaltung von Vorschriften

In der Produktion muss jede Radareinheit innerhalb einer begrenzten Durchlaufzeit geprüft werden, wobei die Zuverlässigkeit der Ergebnisse gewährleistet sein muss. Das bedeutet, dass die Station Funktionsprüfungen, HF-Messungen und kalibrierungsbezogene Überprüfungen unterstützen muss, ohne dabei unnötige Abweichungen zu verursachen.

Auch die Rückverfolgbarkeit spielt eine wichtige Rolle. Testdaten müssen strukturiert, zugänglich und konsistent genug sein, um die Ursachenanalyse, die Prozessüberwachung und übergeordnete Qualitätsziele zu unterstützen. Normen wie ISO 26262, IATF 16949 oder ECE R10 fallen weiterhin in den Verantwortungsbereich des Herstellers, doch Averna unterstützt diese Bemühungen durch die Entwicklung von Testsystemen, die zuverlässige Daten liefern, die Rückverfolgbarkeit gewährleisten und Teams dabei helfen, Validierungsaktivitäten mit größerer Sicherheit zu strukturieren.

Fallstudie

Produktionstests für Kfz-Radar

Titelseite – Averna beschleunigt die Produktionstests für Automobilradare

Ein weltweit führender Automobilzulieferer benötigte eine robustere Lösung für die End-of-Line-Prüfung von Fahrzeugradargeräten, da seine Produktionslinie aufgrund von Bauteilausfällen, Staub und HF-Leckagen in den Prüfkammern sowie einer ineffizienten manuellen Handhabung der Prüflinge keinen Durchsatz rund um die Uhr gewährleisten konnte.

Averna hat eine automatisierte Produktionstestlinie mit Robotik, Bildverarbeitungssystemen, Signalverarbeitung mit hoher Bandbreite und staubfreien schallabsorbierenden Kammern entwickelt und integriert.

  • Ein 6-DoF-Roboter und reflexionsfreie Kammern, die einen höheren Durchsatz ermöglichen
  • Verbesserte Prüflingstaktzeit und MTBF-Zeit (Mean Time Between Failures)

Dank seiner umfassenden Fachkompetenz im Bereich Testtechnik konnte Averna das EOL-Testsystem des Kunden für Kfz-Radargeräte erheblich verbessern, wodurch die Testzeiten um 50 % verkürzt wurden und gleichzeitig ein nachhaltiger ROI sichergestellt wurde.

24 Stunden Täglicher Systembetrieb
10 000 Getestete Radargeräte pro Kammer/Woche

Vom Radar-Validierungstest zur Produktionsreife

Averna entwickelt Testlösungen für Kfz-Radarsysteme, die präzise Messungen und eine gleichbleibende Leistung in der Fertigung gewährleisten.